Wahlanalyse · Abgeordnetenhauswahl 2026

Doppelte Erosion.
Zwei verlorene FDP-Wählerräume.

Räumliche Struktur der FDP-Verluste, die Konkurrenz durch Volt und die Veränderung des liberalen Wählerraums in Berlin.

Stand21. September 2026
DatengrundlageVorläufiges Ergebnis · Landeswahlleiter Berlin
Ebene12 Bezirke · 78 Wahlkreise · Wahlbezirke
Die Leitfrage

„Sind die FDP-Wähler zu Volt gegangen?“

Die Frage ist in dieser Form nicht beantwortbar – und sie ist auch die falsche Frage. Die kleinräumigen Ergebnisse zeigen nicht eine Ursache, sondern mindestens zwei räumlich getrennte Erosionsprozesse.

Prozess 1
Urban-liberale Substitution
Pankow, Friedrichshain-Kreuzberg, Teile von Mitte und Lichtenberg: Volt besetzt einen Teil des Raumes.
Prozess 2
Breite West-Erosion
Charlottenburg-Wilmersdorf und Steglitz-Zehlendorf: Der Raum selbst schrumpft massiv.
Agenda

Fünf Schritte durch die Daten

01
Das Gesamtbild
4,6 → 2,5 Prozent, und was Volt davon rechnerisch erklärt.
02
Die Bezirke
Zwölf Bezirke, zwei völlig verschiedene Muster.
03
Die Wahlkreise
Wo Volt vorne liegt – und wo die FDP bleibt.
04
Die Grenzen
Mobilisierung, neue Kohorten, ökologischer Fehlschluss.
05
Offene Fragen
Was aus diesen Daten noch nicht folgt.
Executive Summary

Vier Zahlen als Merkposten

−46 %
des FDP-Stimmenanteils von 2023 sind verloren: 4,6 → 2,5 Prozent.
57 %
des FDP-Verlustes entspricht rechnerisch dem gesamten Volt-Zuwachs – als Obergrenze.
23/78
Wahlkreise, in denen Volt inzwischen vor der FDP liegt – in Friedrichshain-Kreuzberg alle fünf.
+0,20
Korrelation FDP/Volt über die 78 Wahlkreise. Volt ist räumlich nicht das Negativbild der FDP.

Die Beteiligung steigt gleichzeitig von 62,9 auf 74,2 Prozent, und 16- bis 17-Jährige wählen erstmals mit. Ein Prozentvergleich 2023 → 2026 ist deshalb kein Vergleich derselben Wählerschaft.

Kontext

Zweitstimmen 2026 – eine Neuordnung des Parteiensystems

Die Linke
25,7 % +13,4
CDU
18,8 % −9,5
AfD
16,3 % +7,2
Grüne
14,3 % −4,1
SPD
12,1 % −6,3
BSW
4,7 % neu
FDP
2,5 % −2,1
Volt
2,1 % +1,2

Vorläufiges Ergebnis, Zweitstimmen, Veränderung in Prozentpunkten gegenüber der Wiederholungswahl 2023.

01 · Das Gesamtbild
FDP 20234,6 %
FDP 20262,5 %
46.341 Zweitstimmen−2,1 Prozentpunkte−46 % des Anteils von 2023

Volt erhält gleichzeitig 37.880 Zweitstimmen und verbessert sich von rund 0,9 auf 2,1 Prozent. Beide Bewegungen sind in derselben Größenordnung – das macht die naheliegende Erzählung so attraktiv.

01 · Das Gesamtbild

Die naheliegende Rechnung – und ihre Lücke

Partei20232026Veränderung
FDP4,6 %2,5 %−2,1 Pp.
Volt0,9 %2,1 %+1,2 Pp.
FDP + Volt5,5 %4,6 %−0,9 Pp.
Erstens: relevante Größenordnung
Der Volt-Zuwachs entspricht rechnerisch 57 Prozent des FDP-Verlustes.
Zweitens: eine offene Hälfte
Selbst wenn jede neue Volt-Stimme eine frühere FDP-Stimme wäre, bleiben rund 43 Prozent des Verlustes unerklärt.
Volt kann berlinweit also ein relevanter Teil der Geschichte sein – aber nicht die ganze Geschichte.
02

Die FDP verliert Berlin nicht überall auf dieselbe Weise.

Die entscheidende Erkenntnis entsteht erst auf Bezirks- und Wahlkreisebene.

02 · Die Bezirke

Zwölf Bezirke, zwei Muster

FDPVolt
BezirkFDP 23FDP 26Δ FDPVolt 23Volt 26Δ VoltΔ Summe
Mitte5,12,3−2,81,52,5+1,0−1,8
Friedrichshain-Kreuzberg3,31,6−1,71,42,5+1,1−0,6
Pankow3,92,2−1,71,22,8+1,6−0,1
Charlottenburg-Wilmersdorf7,33,9−3,41,12,4+1,3−2,1
Spandau4,63,1−1,50,51,4+0,9−0,6
Steglitz-Zehlendorf7,93,8−4,11,02,3+1,3−2,8
Tempelhof-Schöneberg4,62,7−1,91,01,9+0,9−1,0
Neukölln3,11,8−1,30,61,4+0,8−0,5
Treptow-Köpenick3,72,0−1,70,71,8+1,1−0,6
Marzahn-Hellersdorf2,92,0−0,90,51,5+1,0+0,1
Lichtenberg3,01,7−1,30,92,0+1,1−0,2
Reinickendorf5,03,1−1,90,61,9+1,3−0,6

Zweitstimmenanteile in Prozent. Eigene Berechnung aus den Ergebnisdateien des Landeswahlleiters.

02 · Die Bezirke

Zwei frühere FDP-Wählerräume

Raum A · urban-liberal
Gemeinsame Summe bleibt fast stabil
Innerstädtisch und nordöstlich, gesellschaftlich liberal, europäisch orientiert – wenig an einen West-Berliner FDP-Stammbaum gebunden. Hier ist Volt inzwischen konkurrenzfähig, teils stärker.
Pankow −0,1 Marzahn-Hellersdorf +0,1 Lichtenberg −0,2 Friedrichshain-Kreuzberg −0,6
Raum B · bürgerlicher Westen
Der Raum selbst schrumpft
Die traditionellen Hochburgen. Die FDP bleibt hier relativ am stärksten, verliert aber ihre größten absoluten Anteile – und Volt fängt davon nur einen Bruchteil auf.
Steglitz-Zehlendorf −2,8 Charlottenburg-Wilmersdorf −2,1 Mitte −1,8 Tempelhof-Schöneberg −1,0

Angaben: Veränderung der gemeinsamen FDP+Volt-Summe in Prozentpunkten, 2023 → 2026.

Fallstudie · Raum A

Pankow: Neuaufteilung eines bestehenden Raumes

FDP 2023
3,9 %
FDP 2026
2,2 %
Volt 2023
1,2 %
Volt 2026
2,8 %
FDP + Volt
5,1 %5,0 %
−0,1 Pp.
Wahlkreis Pankow 8
FDP 5,6 → 2,3 %
Volt 2,2 → 4,7 %
Volt liegt dort mehr als doppelt so hoch.
Wahlbezirksebene
Im Wahlbezirk 03W810 erreicht Volt 8,0 Prozent gegenüber 2,2 Prozent für die FDP; weitere Pankower Wahlbezirke liegen über sechs bzw. sieben Prozent.
Sechs von neun Pankower Wahlkreisen: Volt vor der FDP.
Fallstudie · Raum A

Friedrichshain-Kreuzberg: Volt überholt vollständig

FDP im Bezirk
3,3 → 1,6 %
−1,7 Pp.
Volt im Bezirk
1,4 → 2,5 %
+1,1 Pp.
Wahlkreise mit Volt vor FDP
5 von 5
flächendeckend im Bezirk

Der Bezirk war kein FDP-Kerngebiet – aber 2023 existierte dort noch ein kleiner urbaner liberaler Anteil. 2026 ist Volt innerhalb dieses Segments regelmäßig stärker.

Und selbst hier ersetzt Volt die verlorene FDP-Stärke nicht: gemeinsam fallen beide von 4,7 auf 4,1 Prozent.

Größenverhältnis
Die Linke steigt im Bezirk auf 44,2 Prozent (+23,2 Pp.), die Grünen verlieren massiv.
Die FDP-Volt-Beziehung ist nur ein kleiner Teil einer sehr großen Neuordnung.
Fallstudie · Überlagerung

Mitte: Teilsubstitution, keine Verschiebung

Bezirk Mitte
FDP 5,12,3 % −2,8 Pp.
Volt 1,52,5 % +1,0 Pp.
Gemeinsam 6,64,8 % −1,8 Pp.
Wahlkreis Mitte 1
FDP ≈ 8,13,5 %
Volt ≈ 2,74,5 %
Volt überholt die FDP. Aber von 4,6 Verlustpunkten bleiben nach Abzug des Volt-Zuwachses 2,8 Punkte offen.

Mitte zeigt beide Geschichten übereinandergelegt: ein urbanes Milieu, das sich teilt – und ein Anteil, der ganz verschwindet.

Fallstudie · Gegenprobe

Lichtenberg: Volt gewinnt mehr, als die FDP verliert

Bezirk Lichtenberg
FDP 3,0 → 1,7 %
Volt 0,9 → 2,0 %
Gemeinsam 3,9 → 3,7 %
Wahlkreis Lichtenberg 6
FDP ≈ 4,0 → 2,3 % (−1,7)
Volt ≈ 1,0 → 2,8 % (+1,8)
Die methodische Grenze in einem Satz
Wenn Volt mehr gewinnt, als die FDP verliert, müssen zwangsläufig weitere Quellen existieren: frühere Wähler anderer Parteien, Nichtwähler oder erstmals Wahlberechtigte. Dasselbe gilt für Marzahn-Hellersdorf (FDP −0,9, Volt +1,0).
03

Die zweite Verlustgeschichte – und sie ist die größere.

Im bürgerlichen Westen bricht die FDP ein, ohne dass Volt die Verluste annähernd kompensiert.

Fallstudie · Raum B

Charlottenburg-Wilmersdorf: stark geblieben, massiv verloren

FDP 2023
7,3 %
FDP 2026
3,9 %
Volt 2023
1,1 %
Volt 2026
2,4 %
FDP + Volt
8,4 %6,3 %
−2,1 Pp.
Charlottenburg-Wilmersdorf 5
Mit 5,9 Prozent eines der besten FDP-Wahlkreisergebnisse Berlins – und trotzdem vier Punkte Verlust. Volt steigt dort nur um 1,4 auf 2,3 Prozent.
Volt nimmt hier möglicherweise einen Teil des Potenzials ab – erklärt die Größenordnung des Einbruchs aber nicht.
In keinem der Wahlkreise des Bezirks liegt Volt vor der FDP.
Fallstudie · Raum B

Steglitz-Zehlendorf: der größte Verlust aller Bezirke

FDP im Bezirk
7,9 → 3,8 %
−4,1 Pp. · größtes Minus Berlins
Volt im Bezirk
1,0 → 2,3 %
+1,3 Pp.
Gemeinsam
8,9 → 6,1 %
−2,8 Pp. verschwinden komplett
Wahlkreis Steglitz-Zehlendorf 7
FDP ≈ 10,75,2 %
Volt ≈ 1,02,3 %
Der FDP-Verlust ist dort mehr als viermal so groß wie der Volt-Zuwachs.
Der direkte Vergleich

Pankow gegen Steglitz-Zehlendorf

PankowSteglitz-Zehlendorf
FDP 20233,9 %7,9 %
FDP 20262,2 %3,8 %
FDP-Verlust−1,7 Pp.−4,1 Pp.
Volt 2023 → 20261,2 → 2,8 %1,0 → 2,3 %
Volt-Gewinn+1,6 Pp.+1,3 Pp.
FDP + Volt 2023 → 20265,1 → 5,0 %8,9 → 6,1 %
Veränderung gemeinsam−0,1 Pp.−2,8 Pp.
In Pankow wird ein bestehender liberaler Wählerraum neu aufgeteilt.
In Steglitz-Zehlendorf schrumpft der Raum selbst – Volt fängt nur einen kleinen Teil auf.
03 · Die Wahlkreise

Zwei Ranglisten, zwei Berlins

Stärkste FDP-Wahlkreise
WahlkreisFDPVolt
Charlottenburg-Wilmersdorf 55,9 %2,3 %
Steglitz-Zehlendorf 75,2 %2,3 %
Charlottenburg-Wilmersdorf 24,5 %2,4 %
Charlottenburg-Wilmersdorf 44,4 %2,9 %
Reinickendorf 64,3 %2,2 %
Steglitz-Zehlendorf 64,2 %2,8 %
Steglitz-Zehlendorf 34,0 %2,7 %
Stärkste Volt-Wahlkreise
WahlkreisVoltFDP
Pankow 84,7 %2,3 %
Mitte 14,5 %3,5 %
Pankow 63,6 %1,7 %
Pankow 93,1 %1,8 %
Friedrichshain-Kreuzberg 52,9 %1,6 %
Charlottenburg-Wilmersdorf 42,9 %4,4 %
Lichtenberg 62,8 %2,3 %
Pankow 72,8 %1,9 %

Eigene Auswertung der offiziellen Wahlkreis-A-Tabelle, Zweitstimmen.

03 · Die Wahlkreise

Volt ist nicht einfach „die neue FDP“

+0,20
Korrelation der FDP- und Volt-Zweitstimmenanteile 2026 über alle 78 Wahlkreise.

Wäre Volt die räumliche Negativkopie der FDP – stark dort, wo die FDP schwach ist –, wäre eine deutlich negative Korrelation zu erwarten. Das Gegenteil ist der Fall: Beide Parteien können im selben Wahlkreis überdurchschnittlich abschneiden.

Plausibel ist deshalb: Bestimmte sozioökonomische und kulturelle Merkmale begünstigen beide Parteien; andere Faktoren entscheiden, welche von beiden profitiert.

23 von 78
Wahlkreisen: Volt vor der FDP.
5/5 · 6/9
Friedrichshain-Kreuzberg vollständig, Pankow zu zwei Dritteln.
0
Wahlkreise in Charlottenburg-Wilmersdorf und Steglitz-Zehlendorf, in denen Volt vorn liegt.
03 · Die Wahlkreise

Die verbliebene FDP-Geografie ist die des bürgerlichen Westens

+0,90
Korrelation FDP/CDU über die 78 Wahlkreise, Zweitstimmen 2026.

Das bedeutet nicht, dass CDU- und FDP-Wähler identisch wären. Räumlich heißt es aber sehr deutlich: Wo die FDP 2026 vergleichsweise stark geblieben ist, ist im Regelfall auch die CDU stark.

Vorsicht bei der Interpretation: Die CDU selbst verlor berlinweit 9,5 Punkte auf 18,8 Prozent. Die Entwicklung ist Teil einer größeren Umordnung – kein isoliertes FDP-Phänomen.

Charlottenburg-Wilmersdorf 3,9 % Steglitz-Zehlendorf 3,8 % Spandau 3,1 % Reinickendorf 3,1 %
Am anderen Ende: Friedrichshain-Kreuzberg 1,6 %, Lichtenberg 1,7 %, Neukölln 1,8 %. „Noch am stärksten“ und „stabil“ sind zwei verschiedene Aussagen.
04

Was diese Daten nicht zeigen können.

Mobilisierung, neue Wahlberechtigte und der ökologische Fehlschluss.

04 · Die Grenzen

Nicht dieselbe Wählerschaft wie 2023

74,2 %
Wahlbeteiligung, nach 62,9 Prozent 2023 – ein Plus von 11,3 Punkten. Rund 1,846 Mio. abgegebene Stimmen.
+55.546
zusätzliche Wahlberechtigte auf 2.487.318 – erstmals wählen 16- und 17-Jährige das Abgeordnetenhaus.
43 %
der unter 25-Jährigen wählten laut infratest dimap die Linke; unter Erstwählern 39 Prozent.

Ein hoher Volt-Zuwachs in der Innenstadt kann aus früheren FDP-Wählern stammen – ebenso aber aus früheren Grünen-Wählern, sonstigen Parteien, Nichtwählern oder erstmals Wahlberechtigten. Die neue junge Wählerschaft lässt sich jedenfalls keiner einzelnen kleinen urbanen Partei zurechnen.

04 · Die Grenzen

Räumliche Gleichzeitigkeit ist keine Wählerwanderung

Das Gegenbeispiel
Die FDP könnte drei Punkte an CDU, Linke und Nichtwähler verloren haben, während Volt gleichzeitig zweieinhalb Punkte von den Grünen gewinnt.
Auf Wahlbezirksebene sähe das fast exakt wie eine FDP → Volt-Verschiebung aus.
Was belastbar wäre
Individuelle Wanderungen erfordern Modelle aus amtlicher Statistik, Vor- und Wahltagsbefragungen – wie die Wählerwanderung von infratest dimap.
Eine gesonderte FDP → Volt-Wanderung wird dort öffentlich nicht ausgewiesen.
Belegbar: „Volt gewinnt besonders stark in Gebieten, in denen ein Teil des früheren FDP-Milieus verortet werden kann.“
Zu stark: „Die FDP-Wähler sind zu Volt gegangen.“
04 · Die Grenzen

Erststimme: auch ein Angebotsproblem

FDP: 2,2 % Erststimmen · 2,5 % Zweitstimmen
Volt: 2,2 % Erststimmen · 2,1 % Zweitstimmen
Die Differenz sollte nicht ausschließlich als Kandidatenpräferenz gelesen werden.
9 von 78
Wahlkreise ohne FDP-Direktbewerber: Spandau 2, alle sechs Neuköllner Wahlkreise sowie Treptow-Köpenick 1 und 7.
Für einen Teil der Wahlberechtigten existierte gar keine Möglichkeit, eine FDP-Erststimme abzugeben.

Analytisch ist das eine andere Kategorie als verlorene Wählerpräferenz: Hier spielt die lokale Kandidatenabdeckung eine eigenständige Rolle.

Fazit

Die FDP verliert nicht Stimmen. Sie verliert zwei verschiedene Wählerräume.

Urban-metropolitan
Volt ist als eigenständige politische Alternative sichtbar geworden – in Pankow, Friedrichshain-Kreuzberg, Teilen Mittes und Lichtenbergs. In 23 von 78 Wahlkreisen liegt Volt vorn.
Bürgerlich-liberal
Im Berliner Westen geht die traditionelle Basis in erheblichem Umfang verloren, ohne dass Volt dafür eine Erklärung liefert. Dort schrumpft der gemeinsame Raum massiv.

Beides passiert gleichzeitig. Und genau darin liegt die wichtigste Erkenntnis der kleinräumigen Wahldaten.

05 · Offene Fragen

Vier Hypothesen, die getrennt geprüft werden müssen

Hypothese 1
Urban-liberale Substitution
Volt besetzt in innerstädtischen und nordöstlichen Gebieten einen Teil eines früher auch von der FDP erreichten metropolitanen Wählerraums. Pankow ist der stärkste statistische Fall.
Hypothese 2
Breitere West-Erosion
Die hohen Verluste in Charlottenburg-Wilmersdorf und Steglitz-Zehlendorf sind mit Volt nicht erklärbar. Wanderungsziele, Nichtmobilisierung und Verschiebungen im bürgerlichen Spektrum wären separat zu untersuchen.
Hypothese 3
Neue Wählerschaft
Absenkung des Wahlalters und +11,3 Punkte Beteiligung verändern die Grundgesamtheit so stark, dass ein erheblicher Teil der Veränderung aus Mobilisierung und Demografie stammen kann.
Hypothese 4
Lokale Angebotsstruktur
Die fehlenden Direktkandidaturen in neun Wahlkreisen zeigen, dass bei den Erststimmen neben politischer Präferenz auch die lokale Aufstellung wirkt.
Nächster Analyseschritt: Verknüpfung der rund 2.500 Urnenwahlbezirke mit kleinräumigen Strukturdaten – Alter, Einkommen, Bildung, Haushaltsformen, Wohndauer, Miet-/Eigentumsstruktur, EU-Ausländeranteil. Damit ließe sich prüfen, ob FDP-Verluste und Volt-Gewinne systematisch mit Sozialstrukturen zusammenhängen, ohne individuelle Wahlentscheidungen daraus abzuleiten.
Anhang

Datengrundlage und Methodik

Datenstand
Vorläufiges amtliches Ergebnis, Stand 21. September 2026, 03:33:56 Uhr. Ein amtliches Endergebnis lag zum Analysezeitpunkt nicht vor.
Quellen
Ergebnisdateien des Landeswahlleiters (A-Tabellen für Wahlkreise und Aggregate, W-Tabellen für Wahlbezirke); ergänzend Wahlanalysen von infratest dimap/rbb/ARD.
Methodischer Status
Ökologische Analyse auf Aggregatebene. Korrelationen und räumliche Gleichzeitigkeit dürfen nicht mit individueller Wählerwanderung gleichgesetzt werden.
Lesehinweis
Das Datumsformat 26.09.21 in den Dateien ist als JJ.MM.TT zu lesen und bezeichnet den 21.09.2026 – nicht den 26. September 2021.